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Aus der Geschichte lernen!

PRESSEMITTEILUNG DER DSTIG

Prostitution - aus der Geschichte lernen!

„In der aktuellen Diskussion über ein Prostitutionsverbot und eine Bestrafung von Freiern werden wichtige Erfahrungen ausgeklammert.“ Darauf weist der Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) Norbert H. Brockmeyer hin. Die DSTIG ist eine medizinische und interdisziplinäre Fachgesellschaft zur Förderung sexueller Gesundheit.

 

Sexualität als Triebfeder der Prostitution ist nicht zu verbieten

Brockmeyer, der als Dermatologie-Professor seit Jahrzehnten an der Ruhr-Universität in Bochum Menschen aus der Prostitution behandelt, fordert die Entscheidungsträger auf, Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Geschichte zu nutzen: „Schon vor genau 100 Jahren gab es eine gesellschaftliche Diskussion, in der Prostitution als Bedrohung bürgerlicher Werte und als Gefährdung der öffentlichen Gesundheit durch Geschlechtskrankheiten betrachtet wurde.“ Damals habe die Frauenbewegung für die berufliche Anerkennung von Prostituierten gekämpft. Dieser Kampf habe erfolgreich zu einer Liberalisierung geführt – und damit den damaligen sozialen Stand der Sexarbeiterinnen wesentlich verbessert. „Diese Liberalisierung wird nun ausgerechnet durch Teile der Frauenbewegung gefährdet“, mahnt Brockmeyer.

 

Keine Verdrängung in die Illegalität!

Nach Erfahrungen des STI-Experten (STI = sexuell übertragbare Krankheiten) verlagern sich bürgerlich nicht opportune Phänomene in den Untergrund, wenn sie abgelehnt oder gar bestraft werden. „Wo Menschen diskriminiert und ausgegrenzt und der Willkür ausgeliefert werden, hat auch die Gesundheitsförderung keinen Zugang mehr“, weiß der Arzt und nennt als Beispiel Schweden: Dort haben das Verbot und die Bestrafung von Freiern dazu geführt, dass Sexarbeit jetzt im Untergrund stattfindet und die Prostituierten illegal und damit schutzlos arbeiten müssen.

Die Erfolge im Umgang mit der HIV-Infektion hätten dagegen gezeigt, dass sich die soziale Situation der mit HIV Infizierten nur verbessert, wenn sie nicht diskriminiert werden. „Auch für den offenen und anerkennenden Umgang mit Homosexualität mussten wir lange kämpfen!“

 

Sexarbeit und Menschenhandel nicht vermischen

Menschenhandel und Niedriglohn-Ausbeutung dürfen nach Ansicht des DSTIG-Präsidenten nicht allein innerhalb der Prostitution geahndet werden. „Wir brauchen freie und selbstbestimmte Rahmenbedingungen für die Sexarbeit und die Anerkennung als Beruf – mit allen sozialen Rechten und Pflichten. Nur so verhindern wir soziale Stigmatisierung, Menschenhandel und Ausbeutung!“ Wer Zwangsarbeit und Menschenhandel ausschließlich im Zusammenhang mit Prostitution diskutiert, riskiere eine „Pseudo-Fürsorge“, die dem Individuum und der Gesellschaft schadet,“ sagt Brockmeyer.

 

Freiwillige Untersuchungen anbieten – ohne Zwang!

Das Infektionsschutzgesetz verpflichtet deutsche Gesundheitsämter, Untersuchungen für bestimmte Zielgruppen wie Sexarbeiterinnen anzubieten. Niedrigschwellige Untersuchungen mit gutem Beratungs- und Untersuchungsniveau werden auch heute schon von den Menschen in der Sexarbeit angenommen, weiß Brockmeyer. Daher sei es möglich, Menschen auf freiwilliger Basis zu erreichen. „Allerdings müssen wir sie auch wie Menschen behandeln!“ Pflichtuntersuchungen hätten die sozialen und gesundheitlichen Bedingungen noch nie verbessert, sondern ausschließlich die Diskriminierung gefördert.

„30 Jahre Erfahrung im Umgang mit HIV und Aids haben uns gelehrt, dass wir ohne erhobenen Zeigefinger, nicht stigmatisierend, offen und mit guten Angeboten, auf die Menschen zugehen müssen, dies schließt auch Menschen ohne Versicherungsschutz ein“, weiß der Mediziner. Mit diesem liberalen und akzeptierenden Ansatz sei Deutschland heute europaweit eines der Länder mit den niedrigsten HIV-Infektionszahlen. „Genau so werden wir SexarbeiterInnen und ihre Kunden erreichen, um sie aufzuklären, beraten und bei Bedarf versorgen zu können“, ist Brockmeyer überzeugt.

 

 brockmeyer

 

Kontakt: Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG) www.dstig.de E-Mail: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer, Dermatologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum

Gudrunstr. 56, 44791 Bochum        Tel. 0234-5093471             E-Mail: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

SAVE THE DATE: 18.-21. Juni 2014

 STI-Kongress 2014 im Roten Rathaus, Berlin

und

Leopoldina-Symposium, am 18. Juni 2014, im Roten Rathaus, Berlin

 

Den VorankĂĽndigungs-Flyer finden Sie HIER als PDF-Datei

 

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30 Jahre Deutsche Aidshilfe

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Zum Jubiläum gratuliert die Deutsche STI-Gesellschaft herzlich!

 

Die erfolgreiche Präventionsarbeit hat nicht nur auf nationaler sondern auch auf internationaler Ebene die Weichen zur Durchsetzung des zivilgesellschaftlichen Ansatzes FÜR Prävention und GEGEN Sitigmatisierung und Diskriminierung gelegt.

Im Namen des Vorstandes und unserer Mitglieder gratulieren und danken wir der Deutschen Aidshilfe fĂĽr das kontinuierliche Engagement und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!

DSTIG Positionspapier zur Sexarbeit

Warum ein Statement der DSTIG zur gesetzlichen Regelung der Prostitution?

 

Auch wenn in der letzten Legislaturperiode des Bundestages das „Gesetz zur Bekämpfung des Menschenhandels und Überwachung von Prostitutionsstätten“, nicht mehr verabschiedet wurde, geht die politische und gesellschaftliche Diskussion zum Thema Prostitution weiter. Neue Gesetzesvorhaben, z.B. zur Regelung des Betriebes von Prostitutionsstätten, sind zu erwarten.

Die DSTIG ist eine Fachgesellschaft, in der sich Fachleute aller relevanten Disziplinen der Praxis, Forschung und Wissenschaft der Förderung der sexuellen Gesundheit widmen.

Die vielfältige interdisziplinäre Expertise der DSTIG bringt gesundheitspolitische Aspekte in die Debatte ein und kann dazu beitragen, diese zu versachlichen. 

 

Zum Download die Positionierung der DSTIG HIER als PDF

 

 

Position

Anlässlich ihres Fachtages zur sexuellen Gesundheit am 8. und 9. November 2013 in Köln erklärt die Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG):

Um die sexuelle Gesundheit zu fördern, brauchen Menschen in der Sexarbeit in Deutschland

-          rechtliche Sicherheit sowie

-          gesellschaftliche Akzeptanz.

Aus Sicht der DSTIG mangelt es bislang an der praktischen Umsetzung der fĂĽr Sexarbeit relevanten Gesetze: des Infektionsschutzgesetzes und des Prostitutionsgesetzes.

Beide Gesetze bieten die Voraussetzungen für ganzheitliche und sowohl infektions-epidemiologisch als auch strafrechtlich zeitgemäße Angebote, die die sexuelle Gesundheit im Zusammenhang mit Sexarbeit fördern. Ihre Umsetzung muss dem heutigen Stand der fachlichen Erkenntnisse folgen. Sie darf nicht allein den lokalen politischen Schwerpunkten oder den finanziellen Möglichkeiten einzelner Kommunen überlassen bleiben.

Strafbarkeit von Menschenhandel, sexueller Ausbeutung und Vergewaltigung gilt in der Sexarbeit ebenso wie in jedem anderen gesellschaftlichen Zusammenhang. Hier bedarf es keiner weiteren gesetzlichen Regelung fĂĽr die Sexarbeit.

Die DSTIG betont:

Um die notwendige gesellschaftliche Akzeptanz sowie die soziale Gleichstellung von Sexarbeiter_innen zu erreichen, sind auch im gesundheitlichen Bereich spezifische Angebote erforderlich.

Von zentraler Bedeutung ist der Zugang zu gesundheitlicher Versorgung für alle Akteur_innen in der Sexarbeit (Anbietende und Nachfragende). Dieser muss anonym und ggf. unabhängig vom Versicherungsschutz möglich sein, d.h. bei Bedarf auch steuerfinanziert. Für einige Bereiche der Sexarbeit muss dieser Zugang durch kontinuierliche aufsuchende Arbeit unterstützt werden.

Pflichtuntersuchungen

-          dienen weder der Gesundheit des Individuums noch der Gesellschaft

-          beeinträchtigen die Förderung der sexuellen Gesundheit

-          sind grundgesetzwidrig und verletzen die WĂĽrde der Menschen

-          erfĂĽllen den Tatbestand der Körperverletzung

-          verhindern weder Menschenhandel noch sexuelle Ausbeutung.

Die DSTIG weist darauf hin, dass die Erfahrungen mit dem Thema HIV den Weg für die Förderung sexueller Gesundheit auch in der Sexarbeit weisen.

Akzeptanz und Fachlichkeit

Sexarbeiter_innen benötigen Angebote zur Gesundheitsförderung, in denen Akzeptanz mit Fachlichkeit verbunden ist. Neben der medizinischen und der beraterischen Kompetenz muss spezifisches Know-how insbesondere zur Epidemiologie von STI und zu den vielfältigen Formen von Sexualität vorhanden sein. Um wirksam werden zu können, müssen Angebote außerdem die hohe Mobilität und die begrenzten Ressourcen vieler Sexarbeiter_innen berücksichtigen (z. B. durch Sprach- und Integrationsmittler_innen sowie durch kostenlose Angebote für nicht-versicherte Bedürftige).

Kooperation von Ă–GD und NGOs

Public Health erwächst aus qualifizierten Strukturen. Strategien gegen STI und zur Förderung der sexuellen Gesundheit sind umso erfolgreicher, je enger sie in Kooperation von staatlichen Stellen mit den betroffenen oder bedrohten Menschen entwickelt werden. Die Ausstattung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) mit allen nötigen Ressourcen (finanziell, strukturell, personell) ist daher ebenso erforderlich wie die Anerkennung der zivilgesellschaftlichen Organisationen (Nichtregierungsorganisationen – NGO), wie Fachberatungsstellen für Prostituierte in unterschiedlicher Trägerschaft und andere.

 

Pressemitteilung, 4. Sept. 2013

Welttag der sexuellen Gesundheit: „Noch viel zu tun“

Zum vierten Mal findet am 4. September der Welttag der sexuellen Gesundheit statt. Die World Association for Sexual Health (WAS) hat ihn 2010 begründet. Unter dem diesjährigen Motto „To achieve sexual health, picture yourself owning your sexual rights” werden weltweit Aktionen zur Förderung der sexuellen Gesundheit veranstaltet. Der Fokus liegt dabei auf dem Thema „sexuelle Rechte“, ohne die sexuelle Gesundheit nicht vorstellbar ist.

„In Deutschland haben wir, was das Thema sexuelle Gesundheit angeht, noch viel zu tun“ sagt Professor Norbert Brockmeyer, der an der Bochumer Uniklinik das Zentrum für sexuelle Gesundheit leitet. „Es gibt zwar bereits medizinische, therapeutische und Beratungs-Angebote, doch eine umfassende und ganzheitliche Versorgung findet bislang kaum statt“.

 

Sexuelle Rechte – für Alle!

Ein wichtiges Ziel, auf das der Welttag zur sexuellen Gesundheit aufmerksam macht, ist die Wahrung von sexuellen Rechten, und das weltweit. Dies gilt zum Beispiel für Homosexuelle, die in vielen Ländern wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden und die sich deshalb nicht ausreichend vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) schützen können. Das gilt auch für die Frauen, die über ihre Sexualität nicht selbst bestimmen können, sondern Opfer von sexualisierter Gewalt werden – wie es die Medien zuletzt am Beispiel von Indien zeigten.

„Auch in Deutschland sind sexuelle Rechte noch nicht für alle Menschen verwirklicht“, erklärt Brockmeyer, der als Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) darauf hinweist, dass die Versorgung von Menschen mit sexuell übertragbaren Infektionen vielerorts lückenhaft ist. Das Katholische Klinikum Bochum, die DSTIG und die Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit (GSSG) begrüßen es anlässlich des Aktionstages, dass Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen künftig besser zum Thema sexuelle Gesundheit ausgebildet werden sollen.

 

Sexuelle Gesundheit – auch in der Sexarbeit!

Der Zugang zu medizinischer Versorgung und Beratung ist insbesondere für Menschen, die in der Sexarbeit, zum Beispiel als Prostituierte arbeiten, erschwert. Vor welchem rechtlichen Hintergrund hier agiert werden muss und welche Herausforderungen es zu bewältigen gilt, wird im Rahmen des Fachtages zur Sexarbeit und STI-Forschung diskutiert, der am 8. und 9. November in Köln stattfindet. An zwei Tagen werden wissenschaftliche Aspekte und praktisches Wissen zur Sexarbeit und STI-Forschung vermittelt. Die Anmeldung ist online möglich: http://dstig.de/kongresse/dstig-special-2013.html.

Links:

www.dstig.de

www.stiftung-gssg.org

http://josef-hospital.klinikum-bochum.de/

 

postkarte_welttag sex.gesundheit 4.sept

 

Kontakt:

Prof. Dr. N.H. Brockmeyer

Präsident der DSTIG

Dermatologische Klinik der Ruhr-Universität

Tel. 0234-5093471

E-Mail: n.brockmeyer[at]derma.de