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Epidemiologie

STI in Deutschland

Meldepflicht

Nach dem Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten waren Syphilis, Gonorrhoe, weicher Schanker und Lymphogranuloma venerum bis Ende des Jahres 2000 meldepflichtig. Anfang 2001 wurde das Infektionsschutzgesetz eingeführt, das eine anonyme Labormeldepflicht für HIV und Syphilis vorgesehen hat. Alle anderen STI waren nicht meldepflichtig, sondern wurden zwischen 2003 und 2009 durch das STD-Sentinel erfasst. Als Ausnahme gilt Sachsen, das 2001 eine Meldepflicht für Gonorrhoe und Chlamydien-Infektionen einführte.

 

STI-Datenlage

Das STD-Sentinel erfasste zwischen 2003 und 2009 deutschlandweit Daten zu STI von ca. 250 Gesundheitseinrichtungen. Während dieser Zeit konnten keine eindeutigen Trends festgestellt werden. Neben genitalen Warzen waren jedoch Chlamydien die am häufigsten festgestellten STI

Mit Ausnahme von HIV und Syphilis erlaubt die derzeitige Datenlage zu STI keine Rückschlüsse auf das tatsächliche Infektionsgeschehen in Deutschland. Auch die Ergebnisse des EMIS-Projekt zeigen in der Auswertung, dass Deutschland beim "STI-Check" im internationalen Vergleich sehr schlecht abschneidet: Nur 28% der befragten Männer gaben an, in den letzten 12 Monaten auf STI untersucht worden zu sein.  Ein Vergleich der vorliegenden Inzidenzen mit anderen Ländern ist daher nicht möglich.

 

Abb.: Daten des STD-Sentinel 2003-2008. Quelle: RKI, EpiBull 3/2010, S. 21.

 std-sentinel-surveillance_2010

 

Chlamydien

Die im Rahmen des STD-Sentinel durchgeführten Labortests auf STI ergaben, dass Chlamydien-Infektionen mit 6% die häufigste STI darstellt (siehe hierzu EpiBull 3/2010). In einzelnen Studien wurden Prävalenzraten von 10% bei 17-jährigen Mädchen bzw. 20% bei 20- bis 24-jährigen Frauen gefunden (RKI: Chlamydiosen, 2001).

Das RKI führte 2011 eine weitere Studie durch die ergab, dass knapp 12 % der über 2000 in Deutschland untersuchten Männer (MSM) rektal mit Chlamydien und/oder Gonokokken infiziert waren (HIVreport 6/2011).

Anfang 2008 wurde ein Chlamydien-Screenng für Frauen unter 25 Jahren eingeführt. Ein begleitendende Surveillance soll dazu in Kürze Daten liefern.

 

Syphilis

Seit Ende der siebziger bis Anfang der neunziger Jahre war ein Rückgang der Syphilis-Meldungen von über 9000 auf unter 2000 Fälle zu verzeichnen. Mitte der achtziger Jahre beschleunigte sich der Rückgang mit dem Auftreten von AIDS. Während von 1995 bis 2000 jährlich ca. 1150 Fälle registriert wurden, stieg die Anzahl der Meldungen bis 2004 auf 3350 Fälle an. Seitdem stabilisierten sich die Meldezahlen für Syphilis bundesweit auf einem Niveau zwischen 3.000 und 3.500 pro Jahr. Im Jahr 2009 wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) 2.716 Syphilis-Fälle gemeldet.

2011 berichtet das RKI über einen deutlichen Anstieg der Syphilis-Fälle in Deutschland. Siehe hierzu EpiBull 46/2011, S. 424

 

HIV/AIDS

In Deutschland, so schätzt das Robert-Koch-Institut, leben ~73.000 Menschen mit HIV/AIDS, darunter ~200 Kinder. Den größten Anteil machen Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) aus, ~45.000. Im Jahr 2011 gab es ~2.700 HIV-Neudiagnosen in Deutschland. Ein Großteil der HIV-Infizierten in Deutschland wird therapiert (~52.000). Weitere Daten im Epidemiologischen Bulletin 46/2011.

 

STI in Europa

In Europa gibt es erhebliche Unterschiede in der Inzidenz verschiedener STI. So wurden der WHO-Europa im Jahre 2007 über 500 Chlamydien-Infektionen pro 100.000 Einwohner aus Schweden gemeldet, während die Inzidenz in Spanien bei 0,49/100.000 lag.

Ebenfalls wurde 2007 die höchste Gonorrhoe-Inzidenz mit 31/100.000 Einwohner aus Großbritannien gemeldet. In Portugal wurde jedoch nur eine Gonorrhoe-Inzidenz von 0,7/100.000 Einwohner bekannt.

Bei den gemeldeten Syphilis-Infektionen lagen die Inzidenzen zwischen 13/100.000 in Lettland und 0,7/100.000 in Spanien (http://data.euro.who.int/cisid/).

 Die an die WHO gemeldeten Zahlen hängen stark von der Anzahl der Personen, die sich in ärztliche Behandlung begeben und dort auf STI untersucht werden, sowie der Art und Qualität des Meldesystems, ab. Die EMIS-Studie quer durch Europa zeigte große Differenzen: In Deutschland berichten 28% der befragten Männer von einem STI-Check in den letzten 12 Monaten. Zum Vergleich: in Großbritannien waren es 44%, in Frankreich 40%.

Gerade in Ländern, die keine länderübergreifende STI-Surveillance haben, sowie bei STI mit einem hohen Anteil an asymptomatischen Infektionen ist eine Untererfassung der Infektionen sehr wahrscheinlich. Die genaue Anzahl von STI sowie die Häufigkeit von Komplikationen kann daher nur grob geschätzt werden.

 

STI Weltweit

Sexuell übertragbare Infektionen (STI) kommen weltweit häufig vor. Nach Schätzungen der WHO von 1999 sollen sich weltweit jährlich 340 Millionen Menschen mit therapierbaren STI (Syphilis, Gonorrhoe, Chlamydien und Trichomoniasis) infizieren. Im Jahr 2001 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geschätzt, dass weltweit jährlich 89 Millionen Neuinfektionen mit genitalen Chlamydien erfolgen.
In Entwicklungsländern gehören STI bei Erwachsenen zu den fünf häufigsten Ursachen, eine Gesundheitseinrichtung aufzusuchen. Eine STI kann zu akuten Beschwerden, chronischen Infektionen und schweren Spätfolgen wie Unfruchtbarkeit, Eileiterschwangerschaft, Gebärmutterhalskrebs und dem frühen Tod von Säuglingen und Erwachsenen führen.

 

Literatur