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HIV / AIDS

Die Abkürzung HIV steht für Humanes Immundefizienz Virus (eng. Human Imunodeficiency Virus). Erkrankt der Patient im Vollbild, so spricht man von AIDS (engl. acquired immunodeficiency syndrome, dt. „erworbenes Immundefizienzsyndrom“). Das HI-Virus gehört zur Familie der Retroviren und zur Gattung der Lentiviren.

 

Erkrankung

HIV-Infektionen entwickeln sich von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, und jeder einzelne Verlauf zeigt in der Regel starke Schwankungen. Symptome können, müssen aber nicht auftreten. Und zwischen einzelnen Krankheitsphasen liegen oft lange Zeiten ohne körperliche Beschwerden. Selbst ein voll entwickelter Immundefekt kann bis zum Auftreten schwerster Erkrankungen zunächst ohne Krankheitszeichen (= Symptome) verlaufen.
Wie stark sich HIV vermehrt und dadurch das Immunsystem schädigt, kann durch Messung der „Viruslast“ überprüft werden (= Zahl der Viren pro Milliliter Blut): Je höher die Viruslast, desto schneller wird das Immunsystem zerstört. Auch die Zahl der Helferzellen, gemessen pro Mikroliter Blut, gibt Auskunft über den Zustand des Immunsystems: Je weniger Helferzellen, desto ausgeprägter die Immunschwäche.


Übertragung

HIV wird durch den Schleimhautkontakt mit virenhaltiger Flüssigkeit übertragen. Das HI-Virus kann in praktisch allen Körperflüssigkeiten und -geweben nachgewiesen werden, beispielsweise in Blutprodukten, Sperma, Vaginalsekret und der Muttermilch. Dabei gilt: je höher die Konzentration, desto höher das Ansteckungsrisiko. Da es weltweit keine/kaum belegte Fälle für eine Ansteckung über Schweiss, Speichel, Tränen und Urin gibt, gelten diese als nicht ansteckend. Die intakte Haut bildet eine wirkungsvolle Barriere. Bei Stich- und Schnittverletzungen, durch die orale, vaginale und anale Schleimhaut, beim Stillen und bei der Geburt kann das HI-Virus übertragen werden.

 

Epidemiologie in Deutschland

In Deutschland, so schätzt das Robert-Koch-Institut, leben ~73.000 Menschen mit HIV/AIDS, darunter ~200 Kinder. Den größten Anteil machen Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) aus, ~45.000. Im Jahr 2011 gab es ~2.700 HIV-Neudiagnosen in Deutschland. Ein Großteil der HIV-Infizierten in Deutschland wird therapiert (~52.000). Weitere Daten im Epidemiologischen Bulletin 46/2011 und hier: Kurzübersich Eckdaten HIV/AIDS 2011


Symptome und Krankheitsverlauf

Die Symptome von HIV und AIDS variieren von Patient zu Patient und hängen vom Stadium der Erkrankung ab. 1993 hat das Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in den USA drei Kategorien der Aids-Erkrankung definiert.

 

Kategorie A

Akute symptomatische HIV-Infektion: Bei circa der Hälfte der Betroffenen treten sechs Tage bis sechs Wochen nach der Infektion grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Halsschmerzen, geschwollene Lymphknoten sowie Ausschlag auf. Auch wer keine Beschwerden hat, kann das HI-Virus an andere weitergeben. Erst ein bis drei Monate nach der Infektion sind Antikörper im Blut mittels eines HIV-Tests nachweisbar.

Asymptomatische HIV-Infektion (Latenzphase): Häufig folgt eine symptomfreie Phase, die individuell unterschiedlich lang ist und von einigen Monaten bis zu vielen Jahren dauern kann. Trotzdem vermehrt sich das Virus in dieser Zeit weiter und zerstört die Immunzellen.

 

Kategorie B

Die Kategorie B einer HIV-Infektion äußert sich dadurch, dass infizierte Personen vermehrt an gesundheitlichen Beschwerden leiden, die jedoch nicht in direktem Zusammenhang mit der HIV-Infektion stehen. Häufig treten chronische Durchfälle, dauerhaft erhöhte Körpertemperatur, Nervenleiden (Neuropathien), Mundsoor, Herpes-Infektionen oder Zungenbeläge, verursacht durch das Epstein-Barr-Virus auf.

 

Kategorie C

In diese Kategorie einer Infektion mit HIV fallen die sogenannten AIDS-definierenden Erkrankungen. Dazu zählen:

  • Wasting-Syndrom: Ungewollter Verlust von über zehn Prozent des Körpergewichts mit anhaltenden Durchfällen und Abgeschlagenheit.
  • HIV-assoziierte Enzephalopathie (HIVE): Infektion des Bindegewebes mit resultierender Zerstörung des Zentralen Nervensystems.
  • Opportunistische Infektionen: verursacht durch Pilze, Viren, Bakterien oder Einzeller (Protozoen). Typisch sind chronische Lungenentzündungen und Herpesinfektionen.
  • Bösartige Veränderungen (Malignome): U.a. Kaposi-Syndrom sowie bösartige Veränderungen des Zentralen Nervensystems.
    Detail Foto: Kaposi Sarkom (Oberarm). © N.H. Brockmeyer

Neben den an den Symptomen orientierten Kategorien A, B und C wir die Aids-Erkrankung zusätzlich durch die Laborkategorien 1, 2 und 3 näher definiert. Diese Angaben spiegeln die Anzahl der T-Helfer-Zellen (CD4-Lymphozyten) wider und geben somit Aufschluss über den Zustand des Immunsystems.


Prävention

Präventionsmethoden sind abhängig vom Übertragungsweg.

Beim Geschlechtsverkehr kann man sich nur mittels so genannten „geschützten Geschlechtsverkehr“ mit Kondom vor einer Infektion schützen.

Drogengebraucher müssen neue, ungebrauchte Einmalnadeln verwenden.

Besteht die Gefahr bei der Patientenbehandlung oder bei Kontakt mit Unfallopfern mit Körperflüssigkeiten in Berührung zu kommen, ist die sicherste Methode zur Vermeidung einer Ansteckung das Tragen von Gummihandschuhen.

Bei einer HIV-Infektion während der Schwangerschaft kann eine antiretrovirale Therapie sowie die Entbindung mittels Kaiserschnitt das Kind vor einer HIV-Übertragung schützen.


Therapie

Wann der richtige Zeitpunkt für einen Therapiebeginn ist, wird diskutiert. Bislang gilt, dass wenn Krankheitszeichen und Infektionen bei gleichzeitig hoher Viruslast im Blut (mehr als 100.000 Kopien/ml) oder starker Abnahme der CD4-Zellzahl auf unter 350 pro µl Blut vorliegen, mit einer antiretroviralen Behandlung begonnen werden sollte.

Etwa 20 Medikamente aus 3 verschiedenen Klassen stehen aktuell zur Verfügung, die im Baukastensystem kombiniert werden (hoch aktive antiretrovirale Therapie, HAART). Diese Medikamente hemmen die Entwicklung des Virus in verschiedenen Phasen seines Infektionszykluses. HIV-Medikamente werden nach folgenden Wirkstoffgruppen unterteilt: Nukleosidale RT-Hemmer, Nicht-Nukleosidale RT-Hemmer, Protease Inhibitoren und Fusions-Inhibitoren.

Viele in der HIV-Therapie eingesetzte Medikamente können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten aufweisen. Hier finden Sie eine Übersicht über die Medikamente, die mögliche Wechselwirkungen verursachen:
http://www.hiv-druginteractions.org/
http://www.jag.on.ca/asp_bin/Drug%20interactions.asp

 

Literatur

  • Brockmeyer N.H., Potthoff A. Kaposi-Sarkom – Die Bedeutung für HIV-negative Männer, die Sex mit Männern haben. Hautarzt 2010 2; 61:170.
  • Brockmeyer N.H. Zirkumzision pro und kontra. Hautarzt 2010 2; 61:171.
  • Kreuter A, Potthoff A, Brockmeyer NH, Gambichler T, Swoboda J, Stücker M, Schmitt M, Pfister H, Wieland U. German Competence Network HIV/AIDS. Anal carcinoma in HIV-positive men: results of a prospective study from Germany. Br J Dermatol. 2010 Feb 22. 

  • Plettenberg A, Brockmeyer N H, Haastert B, Michalik C, Dupke S, Schewe K, Rausch M, Hower M, Ulmer A, Jäger H, Arendt G, Jansen K and the Competence Network for HIV/AIDS. Impact of earlier HAART initiation on immune status and clinical course of treated patients on basis of cohort data of the German Competence Network for HIV/AIDS, Infection, 2011. Link

  • Potthoff A, Brockmeyer NH. Current therapy of HIV. J Dtsch Dermatol Ges. 2010 Jan;8(1):45-56. Link

  • Potthoff A. Impfungen bei Immunsupprimierten. Hautarzt 2010 2; 61:171.

  • Rockstroh et al. HIV 2011. Online frei verfügbar unter www.hivbuch.de 

  • Robert-Koch-Institut (RKI). HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen in Deutschland. Jahresbericht 2010. Epidemiologisches Bulletin, 21:2011. Hier als PDF

  • Robert-Koch-Institut (RKI). Schätzungen der HIV Inzidenz und Prävalenz in Deutschland. Jahresbericht 2011. EpiBull 46/2011

 

Leitlinien zur HIV-Therapie