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Syphilis (Treponema pallidum)

Erkrankung:

Primäre und sekundäre Syphilis, latente Syphilis, Tertiärsyphilis, Neurosyphilis, Metasyphilis (Tabes dorsalis, progressive Paralyse), Neugeborenen-Syphilis

 

Syphilis

Bild 1.: Sekundäre Syphilis: Nichtjuckendes Exanthem

 

√úbertragung:

Die Übertragung der empfindlichen Erreger erfolgt ausschließlich durch direkten Kontakt infizierter feuchter, genitoanaler oder oraler Schleimhäute (selten der äußeren Haut), d. h. bei Sexualkontakten. Keine Übertragung durch Gegenstände, aber von der Mutter auf das intrauterine Kind möglich.

   

 

Symptome / Klinik:

Meist 3 Wochen nach der Ansteckung bildet sich am Infektionsort ein indolentes Ulcus mit regionaler indolenter Lymphadenopathie (Prim√§re Syphilis). Nach weiteren 6-9 Wochen vielf√§ltige Symptome im Rahmen der Bakteri√§mie der Sekund√§rsyphilis: makulopapul√∂se Exantheme (Syphilide), intertrigin√∂se Papeln (Condylomata lata), Schleimhautplaques, generalisierte Lymphadenopathie, Angina specifica, diffuses Effluvium und Allgemeinsymptome wie Krankheitsgef√ľhl, Fieber, Kopf-, Knochen und Gelenkschmerzen. Insgesamt sehr variables Krankheitsbild! Nach 1-2 Jahren √úbergang in das seropositive, symptomfreie Latenzstadium. Nach 1-2 Jahrzehnten entweder Spontanheilung (ca. 75% der Infizierten) oder √úbergang in das Terti√§rstadium mit immunologischen Reaktionen auf wenige residu√§re Erreger. Granulome der Haut (Gummen, tuberoserpigin√∂se Syphilide) und Erkrankung des kardiovaskul√§ren Systems u.a. mit Aneurysmenbildung. Im weiteren Verlauf m√∂glicher √úbergang in die erregerreiche, anerge Metasyphilis (quart√§res Stadium) mit schweren ZNS-Erkrankungen m√∂glich (progressive Paralyse, Tabes dorsalis). Besondere klinische Verl√§ufe schwerer Immundefizienz (z.B. HIV-Infektion mit <350 CD4-Zellen/¬Ķl) aber auch bei Neugeborenen (Syphilis connata).


Prophylaxe/Prävention:

Fr√ľhzeitige Diagnostik und konsequente Behandlung mit regelm√§√üiger √úberpr√ľfung des Therapieerfolges (klinisch und serologisch) k√∂nnen die Ausbreitung verringern, ebenso die Information und Untersuchung aller Sexualpartner der letzten drei Monate vor der Erkrankung. Kondome und die Anwendung der Regeln des ‚ÄěSafer Sex‚Äú k√∂nnen vor einer Ansteckung sch√ľtzen.


Epidemiologie:

Die Syphilis hat sich v.a. unter M√§nnern die Sex mit M√§nnern haben, in den letzten 10 Jahren erheblich ausgebreitet (>Verdreifachung der Inzidenz). Begleitend haben die auf dem gleichen Wege √ľbertragenen HIV-Neuinfektionen zugenommen. Prinzipiell muss jeder Syphilispatient auf das Vorliegen weiterer STI untersucht werden (Ausschlu√ü von Urethritis, Proktitis, Adnexitis, Hepatitis und HIV-Infektion). Dabei Beachtung der unterschiedlichen Inkubationszeiten.


Therapie:

Mittel der Wahl ist Penicillin. Bei Fr√ľh- und Sp√§tsyphilis als i.m. Depotpr√§parat (Benzathin-Benzylpenicillin). Bei Beteiligung des ZNS (Neurosyphilis) ist dieses nicht wirksam! Dann Gabe des w√§ssrigen Penicillin G als Infusion (6x5 oder 3x10 Mio. I.E./d). Orale Alternativen (2.-3. Wahl!) sind Doxycyclin und Erythromycin, bei Neurosyphilis Ceftriaxon (1-2g/d ) i.v.


Mittel der Wahl:

Benzathin-Benzylpenicllin einmalig 2,4 Mio. I.E. f√ľr die Fr√ľh- und 3x 2,4 Mio. I.E. im w√∂chentlichen Abstand f√ľr die Sp√§tsyphilis. Kristalloide Penicillin G L√∂sung (i.v.) f√ľr die Neurosyphilis und Syphilis in der Schwangerschaft.

 

Literatur

  • S1 Leitlinie: Syphilis - mikrobiologisch-infektiologische Qualit√§tsstandards. 2014. Hier als PDF
  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft f√ľr Neurologie. Neurosyphilis. 2008. Hier als PDF
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber und Merkbl√§tter f√ľr √Ąrzte: Syphilis. 2004. Hier als PDF
  • Robert Koch-Institut (RKI). 2010. Syphilis in Deutschland im Jahr 2009. Epidemiologisches Bulletin 49: 487-489. 
  • Sch√∂fer H. Syphilis. In: Sch√∂fer H, Baur-Beger S (Hrsg.) Derma-Net-Online 2010. Kapitel 2.7.1. Hier als PDF